32 Mitglieder der EVP Thurgau trafen sich am 20. August 2026 in der Viva Kirche Amriswil zur Parteiversammlung. Im Zentrum der Aufmerksamkeit standen drei nationale Abstimmungen.
Ein Ja zur Neutralitätsinitiative wurde von Oliver Martin, KR SVP, vertreten. Er argumentierte, dass die Neutralität einen sehr klar in der Verfassung definierten Rahmen benötigt. Wirtschaftssanktionen schaden der Schweiz. Nur eine klare Neutralität schützt vor Krieg. Kilian Imhof, KR Die Mitte, betonte in seinem Gegenreferat ebenfalls die Wichtigkeit der Neutralität. Nach seinem Dafürhalten ist diese in der Verfassung bereits gut verankert und braucht kein enges Korsett. Er erläuterte, dass in der Geschichte der modernen Eidgenossenschaft die Neutralität immer wieder neu interpretiert wurde. In der Diskussion wurde die Wichtigkeit der Neutralität betont, aber auch darauf hingewiesen, dass die Schweiz Spielraum braucht, um auf sich immer wieder verändernde Bedrohungslagen angemessen zu reagieren.
Die anwesenden Mitglieder fassten einstimmig die «Nein»-Parole zur Neutralitätsinitiative.
Im Zusammenhang mit der Ernährungsinitiative wurde Noah Ammann, Landwirt aus Sommeri, interviewt. Sein Wunsch an die Politik: «Ich bin gerne Bauer, entwickle gerne Ideen. Dafür brauche ich Planungssicherheit. Bitte nicht in jeder Session neue Regeln.»
Mike Zingg, EVP, stellte die Ernährungsinitiative vor. Er wies darauf hin, dass die Schweiz zurzeit lediglich einen Selbstversorgungsgrad von 55-60% hat. Damit sind wir klar unter dem europäischen Durchschnitt. Die Initiative will das innerhalb von 10 Jahren auf über 70% erhöhen. Damit dies gelingt, sollen künftig Subventionen fast ausschliesslich an den Anbau von pflanzlichen Produkten gehen. In der Diskussion wurde auf die zunehmende Unsicherheit in der geopolitischen Lage hingewiesen. Die grosse Mehrheit der Anwesenden erachtete die Vorgaben der Initiative aber als zu eng. Es wurde bedauert, dass kein moderaterer Gegenvorschlag ausgearbeitet werden konnte.
Parole: 6 Ja, 20 Nein und einige Enthaltungen.
Anschliessend präsentierte Christina Fäsi, KR EVP, die Fairnessinitiative. Diese kommt am 29. November zur Abstimmung. Sie argumentierte, dass die Individualbesteuerung einerseits grosse Kosten und einen riesigen Mehraufwand mit sich bringt, und ausserdem neue Ungerechtigkeiten schafft. Vorteile ziehen daraus vor allem Paare, die beide ein vergleichbares Einkommen habe. Wenn ein Paar sich für ein anderes Modell entscheidet (Betreuung der eigenen Kinder oder Eltern, ehrenamtliches Engagement), entstehen ihnen Nachteile. Die Fairnessinitiative will dies korrigieren, indem Ehepaare nach wie vor eine gemeinsame Steuererklärung ausfüllen. Sie wird als moderne und gerechte Initiative gesehen.
Die Anwesenden unterstützen die Fairnessinitiative einstimmig.
Romanshorn, 21. August 2026, Johann Alberts